SB lesen

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Artikel von mir findet man über die Suchfunktion der gelisteten Publikationen. Hier ein paar Appetithäppchen.

Susanne Benda, das Kinn auf die gefalteten Hände gestützt
Foto: Wolfgang Schmidt

Neuer Roman: „Fürchte dich nicht“

Buchcover „Fürchte dich nicht“ von Susanne Benda

Kann Demenz auch die Folge einer bewussten Entscheidung sein, einer Flucht vor zu vielen Einflüssen, Forderungen, Erinnerungen? Dieser These geht der Roman „Fürchte dich nicht“ nach. Und wagt ein doppeltes Experiment. Obwohl es um Abschied und Tod geht, wird auch gelacht. Und die Protagonistin Judith schildert ihren langsamen Abschied vom Außen und ihren Aufbruch ins Innen aus der eigenen Perspektive. Bei dem Versuch, den Prozess einer in Judiths Wahrnehmung langsam zerfallenden Wirklichkeit in Worte zu fassen, wird die Sprache zum Experimentierkasten; sie spiegelt das Hin und Her der Protagonistin zwischen großer und kleiner Welt in urkomischen wie in tieftraurigen Situationen.

„Fürchte dich nicht“ ist ein Roman über die Frage, ob und wie sich Erinnerung in die Gegenwart integrieren lässt, über das Loslassen vom Leben und von der eigenen Vergangenheit. Es geht um Verdrängen und Vergessen, Schuld, Selbstverantwortung und um die alles versöhnende Kraft der Liebe.

Erscheint im März 2027 bei Edition Natura.

Zum Verlag Edition Natura →

Leseprobe

„Ist es für ein Mädchen oder für einen Jungen?“

Die Frau im Laden steht vor mir mit zwei kleinen Gießkannen in den Händen. Eine ist blau, die andere rosa.

„Ich weiß nicht“, sage ich. Und das ist die Wahrheit. Spielen sollen die beiden, spielen im Sand gleich neben dem Meer, und woher soll ich wissen, ob eher das Mädchen oder eher der Junge. Und ob sie eine Kanne ablehnen, die nicht ihre Farbe. Obwohl das heute ja unsicher ist. In der Zeitung habe ich von einem Mann gelesen, der nicht als Mann gelesen werden will. Wirklich, so stand das da, gleich am Anfang. Ich habe das nicht verstanden und den Artikel deshalb auch nicht zu Ende gelesen. Aber der Satz hat nun Wurzeln geschlagen in meinem Kopf. So sehr, dass ich mich vorhin gefragt habe, ob ich eigentlich als Oma gelesen werden will. So nennen mich die beiden – na – also Anna und der Junge. Und was wäre, wenn ich ihnen sagen würde, dass ich lieber als Kranfahrer gelesen werden möchte oder als Küchenschabe. Zum Beispiel. Weil mir das gerade einfällt und weil ich es interessant finde, dass man offenbar so etwas sein kann wie ein Buch. Oder ein Plakat mit der Aufschrift „Ich bin eine Osterglocke“. Oder so. Schon hab‘ ich mich wieder verloren und weiß immer weniger, wo nun die Grenze ist zwischen wahr und falsch, wirklich und Traum. Wer sie bestimmt, wer sie verteidigt. Und ob es sie in einer Welt, die voll ist mit Lesenden und Gelesenen, überhaupt noch geben kann. Vielleicht ist sie immer ganz hinten am Horizont, wo Himmel und Meer zusammenfließen. Man mag auf sie zufahren, doch man kommt ihr nicht näher, man erreicht sie nie.“